Brief einer bedürftigen ans Christkind wSdL / « zurück

Brief an das Christkind

In Nürnberg lebte eine alte Frau, für sie war das Leben einsam und grau, mit Ihrem Einkommen war es schlecht bestellt, mit einem Wort - sie hatte kein Geld. Sie überlegte angestrengt hin und her, woher denn Geld zu kriegen wär'. Ihr kam ein Gedanke - oh, wie fein, so schrieb sie ein Brief an das Christkindlein. LIEBES CHRISTKIND ICH BIN ALT UND ARM, DAS GELD IST ZU WENIG, ICH BITTE ERBARM, DRUM SCHICKE MIR SCHNELLSTENS 100 EURO, SONST MÜSSTE ICH HUNGERN UND WÄR NICHT MEHR FROH. EINE ANDERE HILFE WEISS ICH NICHT MEHR, DENN OHNE MONETEN IST`S DOCH RECHT SCHWER, ABER BITTE BEEILE DICH MIT DEM GELD, SONST IST`S NICHT MEHR SCHÖN AUF DIESER WELT. Der Brief wird frankiert, in den Kasten gesteckt, der Postbote ihn dann morgens entdeckt, er liest die Adresse - was soll er nur machen, "AN DAS CHRISTKIND" - das ist ja zum Lachen. Er denkt sich aber, ein Spaß muss sein, der kommt ins Fach vom Finanzamt hinein. Am nächsten Tag dort angekommen, wird er vom Beamten in Empfang genommen. Wenn Sie nun glauben, er schmeißt weg diesen Brief, oh, so ist das nicht, da liegen Sie schief, er liest die Adresse und denkt gleich daran, wie man der alten Frau wohl helfen kann. Ja, Glauben Sie mir, das ist kein Scherz, es gibt beim Finanzamt auch welche mit Herz, ihm kommt ein Gedanke, und das ist fein, das könnt für die Frau eine Hilfe sein. Er fängt gleich an durch die Büros zu wandern und geht von einem zum andern sammelt was er kriegen kann recht fleißig. Mancher gab 1, manch andere zwo dreißig. Doch über den Erlös war er nicht ganz froh, statt 100, bekam er nur siebzig Euro. Aber diese wurden dann verwandt und an die arme Frau gesandt. Diese freute sich sehr, man kann's kaum ermessen, dass Christkind hat sie nicht vergessen. So schrieb Sie rasch einen Dankesbrief, und in Eile vorm 24. sie zum Postamt lief. Sie schrieb ans liebe Christkindlein dieses kurze und nette Brieflein: LIEBES CHRISTKIND DEINE GABE FREUT MICH SO, VIELEN DANK FÜR DIE 70 EURO. DOCH SOLLTEST DU MAL WIEDER AN MICH DENKEN, UND SO GÜTIG MIR WIEDER WAS SCHENKEN, DANN MÖCHTE ICH DICH NUR UM EINES BITTEN, DAS GELD NICHT ÜBER DAS FINANZAMT SCHICKEN. DENN DIE LUMPEN HABEN UNGELOGEN, VON DEN 100 EURO 30 ABGEZOGEN.


und das gibt es auch in bayerisch: Eine bayrische Adventsgeschichte I woass net, ob dö G'schicht ihr kennt, sie hat sich ab'gspielt im Advent. I les euch vor, weils mir fallt ei, d'Leut sog'n, dös soll wahr g'wen sein. Da is a alts Muatterl gwesen, alloa in ihra Stub'n drinn gsessn, und hat sich so Gedank'n g'macht was s'Christkind früher ihr hat bracht. Ja ja, hat's gsagt, dös war'n no Zeit'n da kunnt ma allerhand bestreit'n jetzt bin i arm und alt dazua und hab a kaum zum Essen gnua. Wia's so da sitzt und überlegt, hat sie sich einen Plan ausgheckt. S'Christkind beschenkt doch alle Leit, jedes Jahr zur Weihnachtszeit, wia war's, wenn i eam schreib'n tät, daß i a große Bitt no hätt. Vielleicht macht's mir no de Freid, grad heuer in der Weihnachtszeit. Sie holt sich Bleistift und Papier aus der Schublad schnell herfür. Setzt sich an den Tisch sodann und fangt wia folgt zu schreiben an: Liebes Christkind, schreibt's mit'm Stift auf das Papier als Überschrift. Du bist allmächtig und sehr stark, schick mir doch bitte 100 Mark! Erfüll die Bitte einer Armen, i wünsch an Mantel mir, an warmen. Wann i dös Geld hätt, war dös schee, kannt i zum Mantel kaufa geh. I brauch'n wirklich schon sehr bald, denn drauss'n ist es bitterkalt. Hochachtungsvoll hat sie zuletzt vor ihrem Namen druntergesetzt. Den Briefumschlag hat's ungeniert an das Christkind adressiert. Den Absender auf d'andere Seit, dös war von großer Wichtigkeit. Sie tuat den Brieaf in Umschlag nei und is zum Kast'n grennt a glei. Nachdem dös alles war gescheh'n, sah man sie froh nach Hause gehn. Der Postler von dem Postamt acht hat koane schlechten Augen g'macht. So momentan is baff er g'wen, wia er den Brieaf ans Christkind g'segn. Des is eam ja no nia passiert, a Brieaf an's Christkind adressiert. Er hat sehr lange nachgedacht und dann den Umschlag aufgemacht. Als er den Inhalt überblickt, den Brieaf er an's Finanzamt schickt. Der Beamte von dera Stell Öffnet den Brieaf sehr schnell. Nachdem dös Schreib'n er durchgeles'n war der Fall ihm klar gewes'n: Man muaß ihr helfn, des is g'wiß, schon deshalb, weil bald Weihnacht' is. Die Kollegen von sei'm Amt, haben mitg'macht allesamt. Er braucht da gar net lang zu frag'n jeder hat was beigetrag'n. Und wias am Schluß dann festgstellt ham, war'n 63 Mark beisamm. Den Betrag nun ganz genau überwies'n sie der alten Frau. Die Freud vom Muatterl war sehr groß darüber Tränen sie vergoß. Jetzt konnte sie den Mantel kaufn und braucht nicht mehr ohne lauf'n, und aus innerer Dankespflicht hats's no an Brieaf an's Christkind g'richt. Dös hat sie sich net nemma lass'n, sie schrieb daher folgendermaßn: Für die hundert Mark dank' i' dir, du hast da sehr geholf'n mir. Doch wenn i'wieder um Geld dich bitt, so schick mir's doch über's Finanzamt nit, mit dene is des fei a Gfrett, solche Lump'n trau i net, von dene 100 Mark, s'is net derlog'n, hams 37ge abgezogn.